Rechtsanwältin Janine Hardi im Interview: Über ihre Erfahrungen als Investorenvertreterin in einer männerlastigen Finance-Welt

Janine Hardi

Janine Hardi begleitet Capmatcher fortan im Mentoring-Board Legal & Female Founders. Als erfahrene Rechtsanwältin erläutert sie im heutigen Interview, welche Erfahrungen sie in ihrer über 17 Jahre andauernden Tätigkeit als Investorenvertreterin gesammelt hat und welche Learnings sich auf die Startup-Welt übertragen lassen – insbesondere im Bezug auf Gründerinnen.


Liebe Janine, wir freuen uns, dass du dir Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Bitte stelle dich im ersten Schritt kurz vor!

Mein Name ist Janine Hardi. Ich bin seit 17 Jahren zugelassene Rechtsanwältin und arbeite im Financebereich, wobei ich mich auf die Abwicklung immobilienbesicherter Darlehen spezialisiert habe.

Über meinen Mann und Gründer von Capmatcher kam ich mit der Startup Branche in Kontakt und berate Capmatcher seit der Gründung sowohl juristisch als auch als Coach für Startups, dabei vor allem Startups, die von Frauen gegründet werden.

Wieso hast du dich auf „Frauen als Gründer“ spezialisiert?

Eine echte Spezialisierung würde ich das nicht nennen. Ich bin ausgebildeter Personal Coach und sehe mich in meiner täglichen Arbeit im Finanzwesen immer wieder viel zu vielen Männern gegenüber, da meine Branche extrem männerlastig ist. Hieraus entstehen oft Spannungsfelder, die mich im Laufe der Jahre (positiv!) geprägt haben. Meine Erkenntnisse teile ich gerne mit anderen Frauen – dies umso mehr, wenn es sich um junge Frauen handelt, die vielleicht gerade auf Investorensuche sind und sich in entsprechenden Gesprächen dann ggf. nur dem anderen Geschlecht gegenüber sehen.

Ich kenne mittlerweile auch Gründerinnen, die nach der ersten Runde von Investorengesprächen nur noch Frauen als Investoren suchen.

Ich kenne mittlerweile auch Gründerinnen, die nach der ersten Runde von Investorengesprächen nur noch Frauen als Investoren suchen. Ich glaube, das zeigt, dass es hier Beratungsbedarf gibt! Und es gibt sicherlich auch Themen, die man tatsächlich anders aufbereiten muss, wenn man mit Männern am Tisch sitzt – ich denke an Geschäftsideen wie die Herstellung von Menstruationsunterhosen oder Milchpumpen.

In Deinem Job beschäftigst du dich mit immobilienbesicherten Darlehen – nebenbei mit der Beratung von Startups. Das hört sich nach einem weiten Feld an – wie kriegst du das zusammen?

Ganz grob ordne ich das in einer Art Dreiklang: Ich sehe den Finanzbereich, in dem ich als Anwältin tätig bin, als übergeordnetes Dach an. Ohne Geld läuft nirgends etwas – das noch so altruistische Projekt, die neue Geschäftsidee, das Bankwesen, der Staat – alles benötigt Geld, um zu funktionieren. Das hört sich materialistisch im negativen Sinne an, ist es aber gar nicht.

Die nächste Ebene, die ich bei meiner Arbeit abschichten kann, ist meine persönliche Mitte, die Ebene der Beratung: Als Rechtsanwältin berate ich auch – das ist praktisch die Grundidee des Berufs „Rechtsanwalt“. Da liegt dann das Coaching von Start-Ups recht nah.

Und dann gibt es als drittes noch meine Basis, die mich antreibt: meine Neugier! Neue Leute und ihre Ideen kennen zu lernen, für was die Menschen brennen, neue Projekte und Aufgaben zu erkunden – das finde ich sehr spannend. Diese Ebene bietet mir zu einem Großteil die wunderbare Startup-Welt.

Was sind denn deiner Meinung nach die Hauptprobleme der Startups, die eine Beratung erst notwendig machen?

Selten können Gründer alles: erfinderisch sein, alles zu Papier bringen, sich ihre Idee patentieren lassen, einen realistischen Businessplan schreiben, einen Investor finden, das Geschäft ausbauen, Buchhaltung machen, Leute anstellen, Leute führen – diese Liste ist endlos.

Um ein wirklich gutes und nachhaltig erfolgreiches Geschäft aufzubauen, braucht man weit mehr als nur das Talent, ein Problem lösen zu können. Und das ist völlig in Ordnung. Dafür gibt es Berater, später auch Mitarbeiter, Kollegen, Mitgründer. Nicht umsonst ist die Tatsache, ob man als Team und nicht als Einzelkämpfer gründet, ein wesentlicher Aspekt dafür, ob ein Startup landläufig als erfolgversprechend gilt.

Janine Hardi

Aber oft gibt es auch innerhalb von tollen Gründerteams Zerwürfnisse, etwa weil der eine in die eine, der andere in die andere Richtung will. Wenn das Gründerteam dann einen objektiven Dritten mit an Bord hat, der unemotional Vor- und Nachteile der einen oder anderen Richtung beurteilen kann, hilft das ungemein.

Worin liegt Deiner Meinung nach der Mehrwert von Capmatcher für Startups?

Mit am häufigsten sehe ich tatsächlich, dass Startups nicht mit den richtigen Leuten sprechen, wenn es um die Finanzierung ihrer Geschäftsidee geht. Es ist ja nicht so, dass man natürlicherweise immer den einen Investor als freundlichen Wohnungsnachbarn hat, der genau das eigene Geschäftsmodell finanzieren will und mit dem man dann mal eben beim Briefkastenleeren die Seed-Finanzierung klarmacht.

Wer bei Capmatcher aufgenommen wird, kann von der enormen Reichweite einer internationalen Plattform profitieren. Er kann aber auch finanziell überschaubare und zielgerichtete Beratung erhalten und muss nicht um seine Geschäftsidee fürchten, da Details durch die vereinheitlichten und anonymisierten Pitchdecks erst preisgegeben werden, wenn der Gründer dies explizit zulässt.

Und der Nutzen von Capmatcher auf der Investoren-Seite?

Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn bislang immer als Investorenvertreterin gearbeitet. Wenn man wie ich immobilienbesicherte Darlehen abwickelt, kann man das erfolgreich nur tun, wenn man ganz genau weiß, was der Investor – also der Gläubiger einer mit einer Immobilie besicherten Forderung – erwartet. Das geht von Renditeerwartung bis hin zu Reputation, wenn man auf dem Markt unterwegs ist und mit anderen Banken, Gläubigern usw. spricht. Diese Erfahrung fließt bei Capmatcher auch durch Boris Hardi, der ja seinerseits über 20 Jahre im Financebereich gearbeitet hat, massiv mit ein.

Das Venture Capital-Business lebt von zwischenmenschlichen Beziehungen und einem großen Netzwerk einzelner. Es bedarf auch einer großen Zahl von Investmentcases, die es zu prüfen und zu bewerten gilt. Capmatcher bietet ein riesiges Mehr an Reichweite und potentiellen Investitionsmöglichkeiten, ist extrem aktuell und eben digital – in der heutigen Zeit einfach „State of the Art“ – wenn es um die Sondierung und Prüfung geht.

Der persönliche Kontakt kommt dann im nächsten Schritt und ist äußerst wichtig, aber eben nicht beim ersten Aufschlag, wenn es seitens des Investors nur um den folgenden Abgleich geht: „Coole Idee, echte Problemlösung, genau mein Investmentcase!“. Da Capmatcher völlig neutral nur eine Plattform bietet, wo sich beide Seiten – Investoren und Gründer – treffen können, profitieren beide davon und lernen sich kennen – und dann ist Capmatcher ja schon wieder raus aus dem Businesscase und widmet sich anderen Gründern und ihren Projekten. Das ist ein enormer Mehrwert für die Branche.


Capmatcher digitalisiert den Akquisitions- und Investment-Targeting-Prozess im Early-Stage Startup Fundraising Markt und screent für Investoren täglich vielversprechende Startups basierend auf Millionen von Datenpunkten.

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