Investieren in Startups – 4 Grundregeln, die Investoren beachten sollten

Du möchtest also in Startups investieren? Das kann sich reichlich lohnen, bereitet Freude, befriedigt Kundenbedürfnisse und schafft sogar Arbeitsplätze – wenn das richtige Startup ausgewählt wird. Das ist jedoch gar nicht so einfach.

Wir möchten daher zunächst vier Grundregeln für das Investieren in Startups in die Hand geben, die wir bei erfolgreichen Investoren immer wieder beobachten können. In diesem ersten von mehreren Artikeln über Startup-Investments gehen wir auf Grundlagen ein, später folgen tiefergehende Details zur „Investment-Algebra“.

Die Auswahl des „richtigen“ Investments ist kein einfaches Unterfangen

Kapital bereitzustellen ist einfach. Es in das richtige Startup zu stecken dagegen umso schwerer. Als Erstes müssen Investoren akzeptieren, dass nicht jedes Investment ein voller Erfolg werden kann. Trifft man dagegen ins Schwarze, winken stattliche Renditen.

Zwei Beispiele:

  1. Die Risikokapitalfirma Andreessen Horowitz investierte vor einigen Jahren 250.000 Dollar in Instagram. Daraus wurden 78 Millionen Dollar, also das 312-fache des ursprünglichen Investments.
  2. Benchmark Capital stieg mit 12 Millionen Dollar bei Uber ein und machte aus seinem Anteil 7 Milliarden Dollar oder den 512-fachen Return. Allerdings: Andere Projekte mussten dagegen komplett abgeschrieben werden. Dieses eine Unicorn im Portfolio kann jedoch alle anderen weniger profitablen Investments kompensieren – und viele Investoren gehen auch von genau diesem Szenario aus.

Wie kann man also „systematisch“ ins schwarze Treffen?

Eine der wichtigsten Fragen: Wie groß ist der Markt und das potentielle Wachstum?

Kommen wir noch einmal kurz auf die Basics zurück. Was ist ein Startup überhaupt? Ein Startup ist ein neu gegründetes Unternehmen, dass sich zum Ziel gesetzt hat, mit seinem Produkt oder Dienstleistungen schnell zu wachsen und die Märkte zu erobern. Hierfür wird Kapital benötigt. Es geht darum, so schnell wie möglich große Märkte zu erschließen und einen möglichst großen Unternehmenswert zu schaffen.

Es wird somit das Startup gesucht, dass einen echten „Home Run“ landet und nicht irgendwo vor der zweiten Base abgefangen wird. Ein erfolgreiches Startup muss somit eine gewisse Aggressivität aufweisen, um die Märkte zu erobern und vor allem schneller sein als andere.

Das bedeute für den Investor, dass die potentiell zu erschließenden Märkte entsprechend groß sein müssen und das Geschäft als Small Business beispielsweise nicht nur lokal ausgerichtet sein darf. Das heißt also nicht, dass lokale Unternehmen bzw. Unternehmen in lokalen Märkte keine Gewinne einfahren können. Ein Investor benötigt aber zwingend ein großes Potential, eine große Upside im Erfolgsfall.

Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit es sich tatsächlich um ein Startup handelt:

  1. Für die Produkte oder Dienstleistungen des Startups muss ein großer Markt vorhanden sein.
  2. Das Startup muss das Potential haben, schnell zu wachsen.

Eine Bar oder ein Spätkauf an der Ecke können demnach kein Startup im Sinne eines Investment-Cases sein. Das Geschäft ist von vornherein auf die Nachbarschaft ausgerichtet. Der Markt und das Wachstum sind damit von vornherein limitiert. Die Intention der Gründer unterscheidet sich ebenfalls. Sie wollen ein möglichst stabiles monatliches Einkommen generieren und sich etwas langfristig aufbauen, dass ihnen die Altersversorgung einbringt.

Bei einem Buchladen könnte das schon wieder anders aussehen, wenn neben dem Ladenverkauf gleichzeitig über das Internet ein großer Markt erschlossen wird. Einmal von der Konkurrenz abgesehen, wären bei einem Buchladen die Voraussetzung des großen Marktes eher erfüllt. Die Frage ist hier jedoch im zweiten Schritt, ob das notwendige Wachstum auch erreicht werden kann. Angesichts der Konkurrenz bei Amazon & Co. dürfte das eher nicht der Fall und damit auch kein potentiell erfolgreiches Investment sein.

Grundregel Nr. 1:
Es muss ein großer Markt vorhanden und ein potentiell großes Wachstum gegeben sein.

Risiko und Return – auf die Stage kommt es an

Bei Startups werden grundsätzlich vier Kapitalrunden beziehungsweise Finanzierungsphasen – sogenannte Stages – unterschieden:

  1. Pre-Seed oder Seed-Finanzierung
  2. Zweite Finanzierungsrunde (Proof of Concept, Series A)
  3. Wachstumsrunde (Series B)
  4. IPO/Exit (wenn alles perfekt läuft – Glückwunsch!)

Dabei handelt es sich um kein starres Schema. Es können auch deutlich mehr Phasen bis zu einem möglichen IPO oder Exit erforderlich werden. Eines steht jedoch fest: Mit Fortschreiten des Startups in den Finanzierungsrunden steigt auch der Unternehmenswert. Es würde zum Beispiel kaum zu einer zweiten oder dritten Finanzierungsrunde (Series A, B) kommen, wenn das Produkt sich nicht bereits am Markt bewährt hätte und nicht schon ein gewisses Wachstum erreicht wäre. Der Unternehmenswert ist also bereits deshalb höher, da das Unternehmen auch profitabler wird oder höhere Umsätze aufweisen kann, denn sonst käme es vermutlich gar nicht erst zu weiteren Kapitalrunden.

Nur in der Seed-Phase kann dagegen noch nicht davon ausgegangen werden, dass bereits ein nennenswerter Kundenstamm oder Gewinn vorhanden ist. In der Regel handelt es sich beim zugrundeliegenden Produkt oder Dienstleistung in dieser Phase um eine Art Prototyp, ein MVP oder ein Mockup.

Der Unternehmenswert dürfte in dieser Phase eher niedrig sein und auf Potential begründet sein. Daher ist ein Investment in der Seed-Phase immer mit dem größten Risiko verbunden.

Beispiel Airbnb: Der Unternehmenswert in der späten Seed-Phase wurde mit gerade einmal 1,5 Millionen US-Dollar bewertet (durchschnittliche Seed-Runden in Deutschland sind nochmals deutlich kleiner). Neun Jahre später waren es 31 Milliarden US-Dollar. Anders ausgedrückt: durch das aggressive Wachstum konnte innerhalb aus einem investierten Dollar ein Return von über 20.000 % generiert werden.

Allerdings: Ein Investment in der Seed-Phase bedeutet zwar einerseits das größte Risiko, andererseits bietet es aber auch die Chance auf die größtmögliche Rendite, da man wahrscheinlich zur günstigsten Bewertung eingestiegen ist. Das ist ein guter Grund, warum es sich lohnen kann, nach entsprechenden Perlen in der Seed-Phase zu suchen.

Grundregel Nr. 2:
Je früher das Investment erfolgt, um so größer ist zwar das Risiko, desto größer sind aber auch die Chancen auf eine weit überdurchschnittliche Rendite.

Fokus auf Stärken oder Schwächen?

Jede Geschäftsidee hat seine Stärken und Schwächen. Auf allen Märkten gibt es Wettbewerber und Hindernisse. Nur die besten Unternehmen werden durch Wachstum überzeugen können und sich aufgrund ihrer Stärken durchsetzen.

Bei Uber und Airbnb sind es zum Beispiel regulatorische Bestimmungen in den einzelnen Ländern, die das Wachstum in einzelnen Märkten einschränken können – eine klare Schwäche im Geschäftsmodell. Dennoch handelt es sich um eine Idee, die sich am Ende in vielen anderen, weniger regulierten Märkten durchgesetzt und damit rentiert hat. Das Fazit?

Das Augenmerk sollte nicht ausschließlich darauf gerichtet werden, aufgrund welcher Schwächen sich eine Idee nicht durchsetzen könnte.

Investoren sollten sich vielmehr auf die Stärken konzentrieren und fragen, ob es sich um eine nach menschlichem Ermessen gute Idee mit einem großen Markt und Wachstumspotential handelt und welcher Nutzen Kunden angeboten werden kann.

Grundregel Nr. 3:
Konzentriere dich darauf, Stärken eines Startups zu entdecken. Schwächen lassen sich ohnehin immer finden.

Diversifizierung bei Startup-Investments

Der beste Weg, das investierte Kapital zu verlieren, ist, es nur in ein Startup zu investieren. Das Kapital zu diversifizieren ist eine wichtige Grundregel beim Investieren in Startups. Wenn es darum geht, in einer frühen Phase von Startups zu investieren, ist die Diversifizierung noch wichtiger.

Die Erfahrung vieler Venture-Capital-Fonds und Business Angels ist, dass zumindest ein oder zwei der investierten Startups durchstarten. Es ist aber praktisch nicht vorhersehbar, welche das sind. Das heißt auch, dass Investoren ihr vorgesehenes Kapital auf verschiedene Gründungsprojekte aufteilen sollten. Bei einem vorhandenen Kapital von 100.000 Euro ist es besser, 20.000 € in fünf verschiedene Startups zu investieren, anstatt die gesamten 100.000 € in ein einziges Startup (Stichwort: Portfoliomanagement).

Grundregel Nr. 4:
Eine Verteilung des Kapitals auf mehrere Startups mindert das Risiko im Portfoliokontext

Auch bei einer entsprechenden Diversifizierung ist ein Investment in mehrere Startups in der Seed-Phase jedoch ein nicht unriskantes Unterfangen und ohne Garantie auf einen erfolgreichen Exit. In einigen Fällen ist ein langer Atem notwendig. Investoren sollten also sicherstellen, dass sie einen guten Überblick über die Startup-Landschaft haben, um auch tatsächlich ein passendes Investment finden zu können.

Zwischenfazit

Wer mit seinen Investments in Startups erfolgreich sein will, sollte sich nicht nur eine Idee ansehen und das Geld idealerweise auf mehrere Startups verteilen. Dabei sollten Investoren sich vor allem auf die Stärken und Potenziale konzentrieren: Ist das Startup und die Idee so gut, dass zwischenzeitliche schwierige Phasen oder Schwächen kompensiert werden? Entscheidend sind dabei, dass ein großer Markt vorhanden und ein schnelles Wachstum möglich ist.

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