Ein Webshop-System mit höherem Fokus auf erweiterte Dienstleistungen? Auf ein Wort mit: eWoolution

In unserer Startup-Interview-Reihe „Auf ein Wort“ spricht Capmatcher mit spannenden Startups und Gründern nicht nur über deren Projekte, sondern auch über Hürden und Herausforderungen, die durchlebt werden mussten. Heute treffen wir Andreas Dezelski von eWoolution, der gemeinsam mit dem Gründerteam ein Webshop-Ökosystem entwickelt, das einen wesentlichen Erfolgsfaktor im E-Commerce stärker in den Fokus rücken soll: Die Dienstleistung.


Stellt euch doch einfach mal kurz vor. Wer seid ihr und um was geht es in eurem Startup?

Wir sind eWoolution und haben ein Webshop-Ökosystem entwickelt, das einen wesentlichen Erfolgsfaktor im E-Commerce stärker in den Fokus rückt: Die Dienstleistung.

Die gängigen Baukastenlösungen kann man mehr oder weniger gleichsetzen mit Do-it-yourself-Baumärkten für Web-Betreiber. Wer einen Shop selbst bauen möchte, findet dort zwar passendes Material und Tools. In der Praxis lassen viele ihren Online-Shop dann aber trotzdem durch Freelancer oder Agenturen erstellen.

Für viele Auftraggeber sind diese Art der Dienstleistungen allerdings eine Blackbox. So kommen Fragen auf, ob der ausgehandelte Preis wirklich fair ist und die zugesagte Leistung tatsächlich erbracht wird. Unter dieser Grundskepsis leiden wiederum selbst sehr gute und erfahrene Freelancer. Deren Alltag ist oft geprägt von einbehaltenen Schlusszahlungen und der Erbringung von nicht vereinbarten Leistungen, um den Auftraggeber milde zu stimmen. Dies verwässert den effektiven Stundenlohn natürlich erheblich.

Die Erfolgfaktoren verlagern sich auf die User Experience und sinnvolle Marketingmaßnahmen. Die Implementierung erfordert jedoch jahrelange Erfahrung und lässt sich kaum nachhaltig über DIY-Baukastenlösungen vermitteln.

Wir haben daher ein Webshop Ökosystem entwickelt, das nicht nur eine Baukastenlösung beinhaltet, sondern auch kuratierte Dienstleistungspakete anbietet. Freelancer nutzen eWoolution für die Erbringung Ihrer Dienstleistungen und wir treten als Treuhänder und Projektmanager zwischen Kunden und Freelancer auf.

Besonders stolz sind wir auf unsere Kostenstruktur, die überdurchschnittlich schlank ist. Durch Nutzung verbreiteter Schnittstellen-Technologien haben wir es geschafft, die Ausgaben auf der Development-Ebene stark zu reduzieren. Niedrige Customer Acquisition Costs (CAC) erreichen wir durch die Bereitstellung von Lösungen für Freelancer als Sales-Multipliers, die unser System bevorzugt einsetzen und empfehlen.

Warum seid ihr anders und warum seid ihr der Meinung, dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist?

Am Internal Revenue gemessen weisen wir die größten Schnittmengen mit E-Commerce- und SaaS-Providern auf. Es gibt jedoch keinen anderen Anbieter, der zusätzlich Dienstleistungspakete zu Festpreisen anbietet.

Gegenüber den meisten Freelancern können wir Kunden sogar bequeme Ratenzahlung anbieten. Das erhöht die durchschnittlichen Warenkorbgröße, Shopbetreiber können zudem von einem marktfähigen Shop unmittelbar finanziell profitieren und vorhandenes Potenzial sofort ausschöpfen.

Betrachtet man die Entwicklungen in der Branche, wird die steigende Relevanz von Dienstleistungen deutlich. Vereinfacht gesagt reichte es früher für Merchants aus, Produkte im Shop anzulegen und ein paar Produktbilder einbinden zu können. Wer sich in Zeiten von immer stärkerer Webshop-Konkurrenz wie bspw. Amazon jedoch weiterhin auf dröges Product Listing und Tech Specs konzentriert, wird nur in Ausnahmefällen bestehen können.

Denn der Trend geht stark zu kommunikationsstarken Webauftritten mit angedockter E-Commerce-Komponente. Somit verlagern sich die Erfolgfaktoren auf die User Experience und wirklich sinnvolle Marketingmaßnahmen. Die Implementierung erfordert jedoch jahrelange Erfahrung und lässt sich kaum über DIY-Baukastenlösungen vermitteln.

Gewinner ist daher, wer Lösungen für diesen Trend bereitstellt. Bspw. sorgen speziellen E-Commerce Angebote für Dienstleister wie etwa Personal-Trainer und Berater für weitere Markt-Differenzierung. Das Feedback, das wir von Usern erhalten, ist ein Indiz dafür, dass wir den Zahn der Zeit getroffen haben. Besonders interessant ist diese Zielgruppe auch deshalb, weil diese sich der Potenziale einer E-Commerce-basierten Infrastruktur nicht ansatzweise bewusst sind.  Personaltrainer und Webshop? Eine Kombination, die sich nicht jedem sofort erschließt, der wir jedoch einen hohen Wert stiften können.

Was war bislang eure größte Herausforderung? Wie habt ihr sie gelöst?

Größte Challenge war ganz klar die Besetzung der Head-Of-Positionen während der Bootstrapping-Phase. Auch ohne komfortable Kapitaldecke konnte wir letztendlich durch Visionen, Credibility und teilweise glücklichen Fügungen ein erfahrenes Team auf die Beine stellen, das auch den Anforderungen der anschließenden Skalierungsphase gewachsen ist.

Die jeweiligen Skillsets ergänzen sich perfekt. Vom Rocket-Internet-Background angefangen bis hin zu jahrelangem Entrepreneurship ist alles vertreten. Durch die Begleitung von Exits und gewonnenen Gründerwettbewerben und A.I.-Competitions hat unser Team in der Vergangenheit sein Können unter Beweis gestellt. Auch beim Team greift daher unser Claim „No Missing Links“.

Was ist euer nächster anvisierter Meilenstein? Was ist diesbezüglich euer aktueller Engpass?

Nach Abschluss unserer aktuellen Kapitalrunde steht vor allem das Product-Improvment im Mittelpunkt. Für das bevorstehende Wachstum legen wir großen Wert auf eine smarte Prozessautomation und den Ausbau skalierbarer Support-Strukturen. Gerade in letzterem Punkt ist derzeit unser größter Engpass und die größte Ressourcenbindung zu sehen.

Parallel hierzu werden selbstverständlich die Bereiche Sales und Marketing fit für die nächste Phase gemacht. Überaus wichtig ist hierbei erfahrungsgemäß das Hiring. Durch unser Berliner Netzwerk haben wir dahingehend erfreulicherweise keine Sorgen. Erste Experten sind bereits auf Standby.

Bist du zufrieden mit der Gründerkultur in Deutschland? Würdest du dir in einem Punkt mehr Unterstützung erhoffen?

Bei einer Bewertung der Gründerszene muss man klar regional und institutionell differenzieren. Während die Berliner VC Szene inzwischen in weiten Teilen internationalen Ansprüchen genügt, gibt es im Rest der Republik – sogar teilweise strukturstarken Regionen – kein vergleichbares Umfeld in Tiefe und Breite.

Eine klare Enttäuschung ist die hiesige Förderlandschaft. Die oft antiquierten Rahmenbedingungen und langen Cycles sind oft weltfremd. Auch wenn es für Forschung und Tech-Start-Ups inzwischen brauchbare Programme gibt, sucht man insbesondere für Plattformlösungen vergeblich nach Optionen.

Paradox ist daher der Wunsch der Politik nach einem europäischem Facebook, Amazon oder Google. Exakt solche Geschäftsideen fänden derzeit in der Förderstruktur kein passendes Programm. Ein Ziel ohne Plan ist bekanntermaßen am Ende doch nur ein nicht umgesetzter Wunsch.


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