Business Angel werden: Der Weg zum Angel Investor und zur ersten Startup-Beteiligung

Business Angel werden oder Angel Investor werden - Ein Leitfaden

Da das Interesse an Startups boomt, ist es mittlerweile zum Statussymbol geworden, Business Angel bzw. Angel Investor zu sein. Prominente wie beispielsweise Ashton Kutcher sind mittlerweile ebenfalls auf diesen modernen Investmentzug aufgesprungen. Jeder, der über genügend Ressourcen und vor allem Kapital verfügt, kann technisch gesehen ein Business Angel werden. Aber die Kunst besteht darin, es wirklich gut zu machen.

Wieviel Kapital benötigt man aber überhaupt, um Business Angel werden zu können? Macht eine Diversikation Sinn? Wie finde ich als Business Angel Startups – und wieviel Zeit sollte ich in die Prüfung stecken? In diesem Artikel klären wir die häufigsten Fragen.

Wieviel Kapital benötigt man?

Sie könnten theoretisch ein Angel Investor bzw. Business Angel werden, sobald Sie 50.000 Euro an liquiden Mitteln haben. Da Sie in risikoreiche Unternehmen in einem frühen Stadium investieren, besteht das Risiko, dass Startups scheitern, weswegen Sie Ihre Risiken jedoch diversifizieren sollten.

Typische Angel Investitionen liegen zwischen 25.000 und 50.000 Euro pro Unternehmen. Um ein vollständiges Beteiligungs-Portfolio von 20 Unternehmen aufzubauen, müssen Sie in der Lage sein, mindestens 500.000 Euro, eher 1.000.000 Euro zu investieren – und Sie möchten mit Sicherheit nicht all Ihre Ersparnisse in Angel Investments stecken (eine Allokation wie 10% oder 20% des liquiden Vermögens sind bei Angels üblich).

Boris Hardi von Capmatcher.com empfiehlt: „Wenn Sie sich die Zahlen von semiprofessionellen und professionellen Business Angel Investoren ansehen, werden Sie feststellen, dass der durchschnittliche Investor 1 Mio. – 2 Mio. Euro investiert hat.“

„Wenn Sie sich die Zahlen von semiprofessionellen und professionellen Business Angel Investoren ansehen, werden Sie feststellen, dass der durchschnittliche Investor 1 Mio. – 2 Mio. Euro investiert hat.“ – Boris Hardi

Intitiale Finanzierung vs. Follow-On-Investment

Mit einem initialen Investment ist die Arbeit häufig nicht getan. Viele Business Angels berichten, dass Portfoliounternehmen im Laufe der Zeit zurückkehren, um weitere Kapitalrunden anzufragen. Dies wird als Folgeinvestition oder Follow-On-Investment bezeichnet. Die Idee liegt nahe, denn bisherige Investoren kennen das Startup bereits sehr gut und können die zwischenzeitlichen Entwicklungen erheblich besser einschätzen als neue, externe Investoren.

Einige Angels reservieren daher bis zu 50-75% des Gesamtkapitals für solche Folgeinvestitionen als „Dry Powder“, um in gut laufende Portfoliounternehmen reinvestieren zu können. Die Anleger müssen jedoch vorsichtig sein, wenn es darum geht, gutes Geld „schlechtem hinterherzuwerfen“. Eine Due Diligence ist daher sowohl bei Erst- als auch bei Folgeinvestition wichtig.

Die richtige Psychologie eins Business Angels

Über das Geld hinaus birgt Angel Investing eine weitere große Herausforderung. Die Investments in Startups im Pre-Seed- und Seed-Stage sind illiquide. Um echte Liquidität und Cash zu generieren, muss man Sie langfristig halten können!“

Die durchschnittliche Investment-Haltedauer eines Angel Investors in den USA beträgt beispielsweise etwa neun Jahre. Das kann für viele potenzielle Anleger schwierig sein, die eher daran gewöhnt sind, Vermögenswerte wie Aktien oder Immobilien zu liquidieren, wann immer Sie Ihr Kapital wieder benötigen.

Angel Investments haben unter anderem aus diesem Grund auch eine hohe Ausfallrate. „Etwa die Hälfte der Unternehmen, in die Business Angels investieren, sterben“, so Boris Hardi.

Jede zehnte oder zwanzigste Investition ist aber auch unter Umständen ein Gewinn und erzielt das 10-fache, 20-fache oder sogar 100-fache seines Einsatzes. Aus 100.000 Euro werden so 1 Mio. Euro oder sogar 10 Mio. Euro Gewinn über 8 Jahre.

Im Sinne des professionellen Portfolio Managements ist deshalb ein ausgewogenes Portfolio in verschiedenen Branchen oder Projekten der Schlüssel zum Erfolg. Ein Portfolio aus 20 Pre-Seed und Seed-Investments mit je 100.000 Euro (gesamt 2.000.000 Euro) kann so eine durchaus attraktive Chance-Risiko-Struktur ergeben.

Die richtige Due Diligence

Portfoliotheorie bzw. Portfolio-Management als umsetzende Maßnahme ist wie bereits erwähnt ein wichtiger Erfolgsfaktor, um überdurchschnittliche Renditen in einem Angel-Portfolio zu erhalten. Es gibt jedoch weitere wichtige Faktoren, die mit höheren Renditen assoziiert sind.

Die Angel Capital Association überprüfte Angel-Portfolio-Renditen aus einer Stichprobe von über 1,000 Investments und über 500 Exits und stellte fest, dass höhere Renditen signifikant mit zusätzlich im Rahmen einer Due Diligence investierten Stunden assoziiert waren. In der folgenden Tabelle werden die Renditen zwischen Investitionen mit weniger als 20 Stunden Due-Diligence-Aufwand und Investitionen mit mehr als 20 Stunden Aufwand verglichen.

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Quelle: Angel Capital Association Studie; „Returns in Angel Groups“, abrufbar unter: https://www.angelcapitalassociation.org

Eine genaue Prüfung möglicher Beteiligungen lohnt sich also in jedem Fall. In der Umsetzung bedeutet das, dass Gründerteams auf diese Tatsache aufmerksam gemacht werden sollten und voreilige Entschlüsse im Zweifel keiner beteiligten Partei helfen. Einen Leitfaden der wichtigsten Due-Diligence-Punkte stellen wir in naher Zukunft zur Verfügung.

Die richtige Erfahrung

Viele Angel-Investoren, wenn auch nicht alle, sind Unternehmer oder sogar Serienunternehmer, die ihren Portfoliounternehmen einen Mehrwert bieten können, weil sie umfangreiche Erfahrung mitbringen und Startups verstehen.

Es ist zudem äußerst wertvoll, als Business Angel über branchenspezifische Erfahrungen zu verfügen. Viele Angels und Unternehmer kommen aus einem bestimmten Bereich – ob Wissenschaften, Technologie oder Konsumgüter – und beabsichtigen daher, gezielt in diesen Bereichen zu investieren, weil sie hier einen Hintergrund haben und über einen echten Vorteil verfügen, der ihnen dabei hilft, kluge Entscheidungen treffen zu können und den Gründern neben dem Investment auch im day to day business helfen zu können.

Deals finden als Business Angel – Community vs. digitale Lösungen

Ein diversifiziertes Portfolio wird nicht über Nacht aufgebaut. Um also genügend Investmentideen identifizieren zu können, von denen ein nicht unerheblicher Teil nach sorgfältiger Prüfung kein tatsächliches Investment werden will, ist ein verlässlicher Deal Flow unerlässlich.

  • Viele Business Angels wenden sich daher gerne an Angel Groups, um Zugang zu neuen Anlagemöglichkeiten zu erhalten. Doch natürlich gilt es auch hier zu klären, im Rahmen welchen Prozesses potentielle Deals tatsächlich akquiriert werden. Auch muss damit gerechnet werden, dass es bei als besonders attraktiv wahrgenommenen Startups  zu Anreizverzerrungen bei der Verteilung des Deals kommen kann. Angel Gruppen sind häufig analog und lokal aufgestellt und kennen daher üblicherweise eher wenige, aber lokale Startups, die eben oft nicht in das engmaschige Erfahrungsprofil des Business Angels passen.
  • Eine weitere Deal Pipeline ist häufig das unmittelbare Netzwerk, dass etwa durch ehemalige Geschäftskollegen oder Freunde entstanden ist. Dieser Deal-Typ ist häufig schneller zugänglich, jedoch wenig planbar.
  • Digitale Intro-Manager haben sich darauf spezialisiert, Startups zu akquirieren und zu prüfen, die aktuell nach Kapital suchen. Wichtig bei der Anbieter-Prüfung ist, dass es sich bei den gelisteten Startups um aktuelle („Live“)-Daten handelt und nicht etwa um eine reine Auflistung in der Vergangenheit getätigter Deals.

Eine gesunde Erwartungshaltung hinsichtlich der notwendigen Zeit bewahrt zudem vor Enttäuschungen oder zu kurzem Atem. Je nach Kontrolle der Deal Pipeline kann es Wochen oder Montage dauern, potentielle Startup-Investments zu finden. Selbst wenn Business Angels jedoch Deals finden, benötigen diese häufig sechs Monate, um eine Erstinvestition tatsächlich zu tätigen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Diese Zeit wird in der Regel damit verbracht, weitere potenzielle Opportunitäten zu evaluieren sowie die Due Diligence durchzuführen.

Fazit

Richtig umgesetzt, können Angel Investments können interessante Renditen bei attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis bieten. Es handelt sich jedoch um eine von Natur aus riskante Anlageklasse. Auf der anderen Seite beteiligen sich Business Angels auf sehr direktem Wege an Innovation, und Wachstum.

Investoren können ihre Renditechancen erhöhen, indem sie eine Portfoliostrategie festlegen, die eine bestimmte Menge an Kapital pro Startup vorsieht und in mehrere Unternehmen eingesetzt werden sollte. Berücksichtigt werden sollte zudem die Tatsache, dass Startups häufig um eine Follow-Up-Runde beten. Die Erfahrung zeigt außerdem, dass die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Investments durch eine umfangreichere Due Diligence gesteigert werden kann.

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